Veröffentlicht am 27.10.2026 10:01

Kommunen bei Pflege in die Pflicht nehmen

Die Landesfrauenkonferenz des VdK Bayern, die kürzlich in Regensburg eröffnet wurde, steht unter dem Motto „Gute Pflege vor Ort gestalten – eine Verantwortung für uns alle”. Die Teilnehmerinnen verabschiedeten dabei eine Resolution mit der Kernforderung nach einer Strukturreform, bei der die pflegerische Versorgung vor Ort im Mittelpunkt stehen müsse.

„Derzeit fehlen ausreichend ambulante Dienste, Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflegeplätze, niedrigschwellige Entlastungsangebote sowie verlässliche Akutstrukturen”, sagt Yvonne Knobloch, Pflege-Expertin beim VdK: „Der VdK Bayern fordert die Etablierung einer verbindlichen, kommunalen pflegerischen Daseinsvorsorge, die es erleichtert, neue Wohn- und Pflegeformen wie sorgende Gemeinschaften zu entwickeln. Vor Ort muss klar geregelt sein, wer Pflegebedürftige und Angehörige unterstützt, Versorgungslücken schließt, Angebote koordiniert und bei Ausfällen einspringt. Pflege muss eine Pflichtaufgabe der Kommune werden.“

Klare Zuständigkeiten schaffen

Claudia Spiegel, Leiterin Sozialpolitik beim VdK Bayern, ergänzt: „Die unklaren Verantwortlichkeiten von Pflegekassen, Bund, Ländern, Kommunen und ambulanten wie stationären Pflegeeinrichtungen müssen durch eine klare Zuständigkeit der Kommunen überwunden werden. Die Kommunen verfügen über kleinräumige Daten, sind nah an den Menschen und können die erforderlichen Maßnahmen passgenau umsetzen. Deshalb sollten die politisch Verantwortlichen vor Ort befähigt werden, die Versorgung ihrer Bürgerinnen und Bürger im Bereich Pflege zu übernehmen.“

Beratung und Prävention gewährleisten

Die Landesfrauenkonferenz des VdK Bayern fordert eine kommunale Struktur unter Einbeziehung der freien Wohlfahrtspflege und weiterer Anbieter. Langfristig müsse das Ziel sein, eine Pflegeinfrastruktur vor Ort zu etablieren, die schon weit vor der Pflegebedürftigkeit greift und Beratung und Präventionsarbeit abdeckt. Selbstständigkeit und persönliche Ressourcen der Pflegebedürftigen sollten so lange wie möglich erhalten und gefördert werden, damit Menschen nicht verfrüht oder unnötig in die stationäre Pflege gehen müssen.

Außerdem müsse die Qualität in Pflegeheimen konsequent gesichert werden – mit unangemeldeten Kontrollen zu jeder Tages- und Nachtzeit, um die Menschen in den Heimen kompromisslos zu schützen, Vertrauen bei den Angehörigen zu schaffen und eine Überlastung von Pflegekräften zu verhindern. Weitere Forderungen der Landesfrauenkonferenz sind zu finden unter Landesfrauenkonferenz - Sozialverband VdK Bayern e.V.

Hintergrung: „Versorgungskrise in der Pflege”

Die Landesfrauenkonferenz des VdK sieht „eine Versorgungskrise in der Pflege” in Bayern. Über eine halbe Million Menschen im Freistaat sind aktuell pflegebedürftig. Betroffene wie Angehörige litten unter den hohen Kosten, bürokratischen Hürden, fehlenden Entlastungsangeboten sowie unzureichenden Informationen.

Frauen pflegen

Über 82 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Bayern werden in der häuslichen Pflege versorgt. Mehr als zwei Drittel der zu Hause Gepflegten erhalten Pflegegeld und werden ausschließlich von ihren Angehörigen versorgt. Laut aktuellen Schätzungen gibt es rund eine Million pflegende Angehörige in Bayern. Der repräsentativen VdK-Pflegestudie 2023 zufolge sind über 72 Prozent der pflegenden Angehörigen in Bayern weiblich.

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