Da gab es keine zwei Meinungen bei der jüngsten Sitzung des Sendlinger Bezirksausschusses. Einstimmig beschloss das Bürgergremium: Das Baureferat der Stadt München wurde aufgefordert, den Mülleimer direkt neben der Gedenkstele am Harras 12 dauerhaft zu entfernen und an einem geeigneten Platz aufzustellen. Damit folgte das Gremium einem Antrag der SPD-Fraktion. Und die Stadt hat bereits reagiert: Nun steht der Mülleimer etwa drei Meter weiter weg.
Die Stele war für die einst von Nazis deportierte und ermordete Sendlinger Familie Hecht am Harras 12 (Eingang von McDonald's) aufgestellt worden. Bei der Einweihung des Erinnerungszeichens am 29. Juli 2024 war der am Standort befindliche Mülleimer entfernt worden.
Denn ein Mahnmal dürfe nicht durch Alltagsgegenstände entwertet oder visuell überlagert werden, die symbolisch oder praktisch das Gedenken stören, so die BA-Beauftragte gegen Rechtsextremismus Dilek Bilenler (SPD). „Die anschließende Wiederaufstellung des Mülleimer direkt neben dem Erinnerungszeichen widerspricht dieser Würde des Ortes und beeinträchtigt die Wirkung des Mahnmals erheblich.”
Der Kaufmann Norbert Nathan Hecht betrieb am Harras 12 ein Gewerbe für „Vertretungen aller Art“. 1927 zog er mit seiner Frau Meta Cäcilie Hecht und den gemeinsamen Kindern, Ruth Senta und Werner Sigismund in das 1. Obergeschoss des Anwesens.
Werner Sigismund war Ende der 1920er und Anfang der 1930 Jahre ein erfolgreicher Jugendspieler beim FC Bayern München. Er heiratete 1938 die 22-jährige Ilse Ehrenfreund. Bereits kurz nach der Hochzeit emigrierte das Paar nach Amsterdam, wo im August des gleichen Jahres ihr Sohn Peter Frank zur Welt kam. Im darauffolgenden Jahr folgten Meta und Norbert Hecht ihrem Sohn in die Niederlande. Nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht 1940 wurde die Familie Hecht nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.